Hallo zusammen
First: I’m terribly sorry, ihr habt ewig nichts Neues von mir lesen können. Aber wie ihr sicher versteht, hatte Olympia (vgl. letzter Eintrag) einfach Priorität ;-) Und vergangene Woche (Donnerstag und Samstag) stand dann der Cambridge Advanced Test an, so dass ein Blogeintrag einfach warten musste…
Nun, da der ganze Olympia-„Spuk“ und auch meine Zeit an der PLI-Sprachschule vorbei sind ist es aber tatsächlich höchste Eisenbahn, wieder mal etwas von mir verlauten zu lassen. Zur Olympiade selber gäbe es natürlich unendlich viele Geschichten zu erzählen. Begonnen hat das ganze Erlebnis mit dem Spalierstehen für die letzten Fackelläufer in Downtown Vancouver. Diese wurden von einem eigentlichen Umzug (ähnlich wie uns an der Fasnacht…) begleitet, der sich aus Polizeieskorten auf Pferden und Motorrädern sowie – natürlich – Fahrzeuge der Sponsoren zusammensetzte. Am gleichen Abend stand die Eröffnungsfeier im B.C. Place Stadium an und das bis zum Schluss gehütete Geheimnis des letzten Fackelläufers vom Stadion zum Standort der offiziellen Fackel wurde gelüftet: Hockey-Gott Wayne Gretzky, „The Great One“, durfte die Fackel halten während er auf der Ladefläche eines Pickups durch Downtown gekarrt wurde. Die Route war ebenfalls geheim und dennoch hätte ich ihn beinahe live gesehen, der „Fackel-Wagen“ fuhr nur zwei Strassen entfernt vom Pub, in dem ich die Eröffnungsfeier schaute, vorbei. Aber halb so wild, dafür war ich bei den ersten paar tausend Menschen, die die offizielle Fackel unten am Meeresufer (nahe Canada Place, für die, die sich in Vancouver auskennen) brennen sahen. Dazu gabs auch noch ein Eröffnungsfeuerwerk. Wer aber nur schon die 1. August-Feuerwerke in der Schweiz als Referenz nimmt, würde dieses eher als enttäuschend bezeichnen, aber das war ja nicht wirklich der entscheidende Faktor an diesem Eröffnungstag.
Bereits am ersten Wettkampftag ging es dann bekanntermassen aus Schweizer Sicht optimal los: Gold für Simon Ammann auf der Normalschanze! Mit einigen Kollegen von der Sprachschule durfte ich dies im „House of Switzerland“ auf SF (Olympia-Studio war auch dort untergebracht) mitverfolgen. Die Stimmung war allerdings eher enttäuschend. Angesichts der Tatsache, dass das EDA offenbar zig Millionen in dieses „Schweizer Haus“ gebuttert hat, war der Auftritt sehr mager. Das Haus, unter dem Jahr einfach ein Restaurant, liess nie richtige Schweizer Stimmung aufkommen, es sei denn man machte sie selber. Der negative Höhepunkt wurde zweifellos erreicht, als unsere Schweizer Gruppe (etwa 15 Leute) am Abend dort zu Abend assen und als wir bei der Siegerehrung für Simon Ammann wie Ausserirdische angeschaut wurden, als wir jubelten und applaudierten; und das im Schweizer Haus… Zu den emotionslosesten Gästen gehörten auch die Reporter von SF (Steffi Buchli und Co.), die am Nebentisch sassen. Also genau diese Leute, die am Fernsehen immer so tun, als ob sie super-emotional mitfiebern würden… Naja. Der Ton wurde für die Nationalhymne auch nicht eingeschaltet, evt. hätten sich ja die reichen Russen und Amerikaner, die ebenfalls dort dinnierten, gestört gefühlt. Tststs…
Aber eben, das tut ja dem Schweizer Erfolg keinen Abbruch. Es ging im gleichen Stil weiter: Gold in der Abfahrt, Gold im Langlauf, Gold im Riesenslalom, Gold im Ski-Cross; die Schweizer hatten sich ganz offenbar darauf geeinigt, einfach nur goldene Medaillen zu gewinnen :-) Den zweiten (also eigentlich den insgesamt vierten) Sieg von Simi Ammann konnte ich in Whistler erleben. Ich war allerdings nicht an der Schanze, sondern selber am Skifahren, der Tag bot einfach perfekte Bedingungen dafür: Sonne, Pulverschnee und kaum Leute auf der Piste! Die Siegesfeier am Abend in Whistler Village konnte unsere Gruppe nur durch den Zaun verfolgen, da keine Leute mehr ins Areal gelassen wurden. Nun, immerhin konnte uns das IOC während der Nationalhymne nicht die Ohren zu halten, die konnten wir also auch gratis von draussen hören :-)
Nach den tollen Schweizer Erfolgen stand die zweite Olympia-Woche für mich vor allem im Fokus Live-Eishockey (also im Stadion). Nach Tschechien-Lettland in der ersten Woche (5:2 und ein sackstarker Jaromir Jagr, trotz 38 Jahren, da schlägt das Herz des Hockeyfans höher) gab’s in Woche 2 Slowakei-Norwegen und – der Höhepunkt in Sachen Live-Spiel – den Viertelfinal Schweiz-USA. Die Schweizer verloren zwar trotz nahezu perfekter Defensive, aber es war dennoch ein unvergessliches Erlebnis, bei diesem Spiel live vor Ort mit dabei zu sein. Danach galt es halt Daumen halten für die Kanadier. Eigentlich drehte sich für die Leute hier ohnehin die ganze Olympiade fast nur ums Eishockey. Trotz des Goldmedaillen-Rekords (14 Stück für Kanada!) wäre den Einheimischen dieser Anlass in zwiespältiger Erinnerung geblieben, hätte das Hockey-Team nicht die Goldmedaille gewonnen (besser gesagt: beide Teams, denn Damen-Hockey ist hier ebenfalls recht populär). Nachdem aber das Team um Sidney Crosby, Joe Thornton, Dany Heatly und Co. im Viertelfinal die Russen mit 7:3 förmlich demontiert hatten, stieg die Siegesgewissheit der Leute merklich. Wer sollte dieses Team stoppen können?? Obwohl im Halbfinal gegen die Slowakei am Schluss ein kleiner Einbruch (von 3:0 zum Schlussresultat 3:2) festzustellen war, war Vancouver (und wohl ganz Kanada) förmlich elektrisiert für den Final am Sonntag. Einen Platz in einem Pub Downtown zu finden war schlicht unmöglich, riesige Line Ups waren vor jedem Lokal zu finden. So entschloss sich unsere Hockey-Fan-Clique Moritz, Daniel (beide CH), Klaus (Dänemark) und meine Wenigkeit, den Match auf Grossbildschirm im Homestay von Daniel schauen zu gehen. So stieg unsere private Hockeyparty halt dort und nach ging nach dem 3:2-Triumph über die Amerikaner im SkyTrain und natürlich Downtown weiter. Für einmal kamen sogar die sonst stets coolen Kanadier aus sich raus und jubelten auf den Strassen, fuhren hupend mit ihren Autos in Downtown herum etc. Ein echtes Erlebnis, hier dabeigewesen zu sein und schwer zu beschreiben.
Allgemein konnte ich feststellen, dass die Kanadier ausserordentlich patriotisch sind wenn es um Sport geht. Jede ihrer Goldmedaillen wurde immer und immer wieder im TV gezeigt, bejubelt und diskutiert (für schweizerische Verhältnisse in ermüdendem Ausmass). Dennoch war es sehr speziell und eindrücklich, dass ich auch live am Curling-Final Männer (Kanada-Norwegen) dabei sein wurde. Einerseits natürlich, weil es so oder so ein spezielles Erlebnis ist, an so einem Anlass vor Ort zu sein. Andererseits, weil die Kanadier auch hier wirklich mitlebten und – in der Schweiz kaum vorstellbar – im letzten End die Nationalhymne zu singen begannen, bevor der Sieg definitiv feststand (Schlussresultat war 6:3 für Kanada). Direkt im Anschluss fand die Siegesfeier statt, wo ich dann auch noch die Schweizer bejubeln durften, die am Vormittag das Bronze-Medaillen-Spiel gegen die Schweden gewonnen hatten.
Und dann: ja, dann war die Olympiade vorbei und es kehrte rasch wieder der normale Alltag in Vancouver ein. Die Menschenmasse in Downtown nahm innert zwei Tagen rapide ab, einzig das Line Up vor dem offiziellen Merchandising-Superstore blieb noch beträchtlich. Und für mich galt es, mich auf das Cambridge Exam zu konzentrieren. Am vergangen Donnerstag stand wie gesagt die Mündlich-Prüfung auf dem Programm, welche in Zweiergruppen abgelegt wird. Meine Test-Partnerin Rachel, eine Südkoreanerin, und ich hatten ausreichend Gelegenheit in der Schule, uns gezielt auf den Test vorzubereiten. Ich denke, im Grossen und Ganzen haben wir beide auf unserem normalen Englisch-Level gesprochen. Wie das von den Experten eingestuft wird, wird sich weisen. Samstag waren dann die vier schriftlichen Teile (Reading, Writing, Use of English, Listening) dran, insgesamt über vier Stunden Prüfung. Ziemlich ermüdend das Ganze, vor allem ist die Konzentration für den letzten Teil, das Listening, schon ziemlich am Boden. Entsprechend hat mir dieser Teil am meisten Mühe bereitet und ist mir vermutlich (so mein Gefühl) am wenigsten gelungen. Wie der Test aber rausgekommen ist, wird erste Ende April bekannt, wenn die offiziellen Resultate von Cambridge einsehbar sind.
Und nun, nach all dem Olympia- und Prüfungsstress stehen für die nächsten Wochen bis Anfang April Ferien auf dem Programm. Momentan weile ich in Seattle, wohin ich gestern per Greyhound-Bus gereist bin und wo ich bis morgen Mittwochabend allein auf Sightseeing-Tour bin. Dann geht’s zurück nach Vancouver, um noch einmal für drei Tage diese einmalige Stadt zu geniessen. Am Sonntag reise ich zusammen mit Daniel und Klaus per Wasserflugzeug nach Vancouver Island, wo wir eine Woche verbringen werden (Victoria, Tofino, Nanaimo). Dann zurück nach Vancouver am 21. März, um meinen Geburtstag in Downtown zu feiern. Und dann geht’s für Daniel und mich (Klaus bleibt bis September in Vancouver an der PLI) per Auto quer durch die Rockies Richtung Calgary. Geplant sind verschiedene Zwischenstopps (Kamloops, Lake Louise, Revelstoke, Banff). Aber von diesen Trips, so hoffe ich doch, kann ich euch in den nächsten Wochen jeweils etwas berichten (zumindest häufiger als während der letzten fünf Wochen…).
Well, that’s it for today. As usual: take care, see you soon.
Best wishes from Seattle, WA, USA
Stefan
P.S. Eine kleine (sehr kleine) Auswahl meiner Olympia-Fotos seht ihr unten. Mehr davon sind auf Facebook. Und sonst zeige ich sie euch gerne mal in der Schweiz, falls jemand interessiert ist.
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